Sind Menschen behindert oder werden Menschen behindert?
Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Menschen mit einer Behinderung eine wertvolle Arbeitskraft werden können?
Und auf welche Unterstützung kann man zählen?
zuMUTbar bringt den Baukasten für einen behindertengerechten Arbeitsplatz.
Die 3 Schritte zur Integration teilt der Profi in drei Phasen ein. Nämlich in Einführung, Aufbau und Stabilisierung. Das ist aber nicht etwas, was bei Menschen mit einer Behinderung speziell berücksichtigt werden muss, auch bei offensichtlich nichtbehinderten Menschen ist das der natürliche, gesunde Verlauf bei einer Anstellung.
Einführung:
In der Einführungsphase ist die Person mit einer Behinderung bereits angestellt, da sie dem Anforderungsprofil entspricht. Wichtig ist, dass gewisse Fragen schon vor der Anstellung geklärt wurden.
Martin Haug ist der Basler Integrations- und Gleichstellungsbeauftragte für Menschen mit einer Behinderung. Er weiss genau, was vor einer Anstellung geklärt werden sollte.
Martin Haug: Man hat natürlich mit der betreffenden Person schon vorab gewisse Fragen abgeklärt. Handelt es sich um jemanden im Rollstuhl, hat man über den Arbeitsplatz diskutiert und abgeklärt, ob und wie das Gebäude zugänglich ist. Gab es diesbezüglich lösbare Probleme, hat man diese mit der IV besprochen, d.h. die Situation ist nun geklärt.Die Person ist jetzt gemäss dem Pflichtenheft fähig, die Arbeit aufzunehmen. Es geht nun eigentlich um ganz normale Dinge wie bei jeder Anstellung. Wichtig ist jetzt, dass die Person möglichst schnell und gut ins Team integriert wird und dem Team gegenüber gut kommuniziert wird, dass die Person zwar handicapiert ist, man aber mit technischerHilfe und gewissen Massnahmen Probleme hat beheben können. So erreicht man, dass die andern MitarbeiterInnen wertschätzend und positiv eingestellt sind und eine Athmosphäre entsteht, in der sich alle entfalten können. Von zentraler Wichtigkeit ist, dass man eine Kommunikations-Kultur schafft, in der die betroffene Person im Zentrum steht. Wennman ein Problem hat, das diese Person oder deren Behinderung betrifft, soll man nachfragen. Sitzt die Person z.B. im Rollstuhl, sollte man nicht ungefragt den Rollstuhl von hinten stossen, sondern fragen, ob Unterstützung erwünscht, beziehungsweise gebraucht wird.
Aufbau:
In der Aufbauphase ist der neue Mitarbeiter, die neue Mitarbeiterin im Betrieb schon ange-kommen und kennt den Arbeitsplatz und die ArbeitskollegInnen. Jetzt geht es darum darauf aufzubauen. Dazu noch einmal Martin Haug.
Martin Haug: Jetzt geht es darum, zu kontrollieren ob die neu angestellte Person die ihr an diesem Arbeitsplatz gestellten Aufgaben erfüllen kann. Gibt es irgendwelche Grenzen, gibt es Situtationen die unklar sind? Falls es Probleme gibt, sollte die betroffene Person diese möglichst früh mit dem Vorgesetzten und/oder dem Team ansprechen, damit sie geregelt werden können. Damit man Vereinbarungen treffen kann. Es kann auch sein, dass ein Mensch mit einer Behinderung am Arbeitsplatz eine Assistenz benötigt, z.B. um Dossiers oder anderes von höher liegenden Regalen herunter zu holen etc., solche Dinge kann man regeln. Gleichzeitig ist es wichtig, dass man nicht zu viel hilft, dass man aktuell Hilfe leistet und dies nicht als aussergewöhnlich empfindet.
Stabilisierung:
Die Stabilisierung ist der dritte und letzte Schritt in der Integrationsphase. Die Stabilisie-rung ist erreicht, wenn die betreffende Person gut im Betrieb integriert ist, alle offenen Fragen geklärt sind und die erwartete Leistung erbracht wird. Das ist der optimale, idealeFall. Aber es gibt auch Fälle, bei denen nicht alles so gut läuft.
Martin Haug: Wenn sich zeigt, dass eine Person mit einer Behinderung am Arbeitsplatz überfordert ist, liegt es am Betrieb zu überlegen, ob man die betreffende Person an einem andern Ort besser einsetzen könnte. Vielleicht macht man eine neue Standortbestimmungund sammelt die Ressourcen. Oder man muss eventuell einen Arbeitsplatzwechsel vorsehen. Im optimalen Fall kommt die betreffende Person in den Genuss einer Entwicklungschance sich kompetent weiterbilden zu können, wie das alle andern Mitarbeiter auch haben.Wichtig ist, dass man Menschen mit einer Behinderung ernst nimmt, wenn es Probleme gibt beim Erbringen der Leistung, auf sie zugeht, sie darauf anspricht und mit ihnen Lösungen sucht. Wenn sich keine Lösung ergibt, sollte man auch einen Menschen mit Behinderung nicht bis „zum geht nicht mehr“ mitziehen. Dann finde ich es fair, wenn man klar ist in der Kommunikation und sagt: „Du bist hier bei uns nicht an der richtigen Position, wir helfen Dir jetzt bei der Suche nach einer andern Arbeitsstelle“.
Menschen mit einer Behinderung haben Fähigkeiten und Talente. So wie andere auch.
Menschen mit einer Behinderung machen Ausbildungen, studieren, lernen dazu. Genau so wie andere auch.
Aufgaben an Möglichkeiten anpassen, das tut man auch bei Menschen, die keine Behinderung haben.
Menschen mit einer Behinderung haben es schwierig auf dem Weg in die Arbeitswelt.
Es ist Zeit, ihnen auf diesem Weg entgegen zu kommen.
zuMUTbar bringt den Baukasten für behindertengerechte Arbeitsplätze.